Grenzgänger

Deutsche auf Jobsuche in den Niederlanden – ein Gespräch mit dem GrenzInfoPunkt

Anders, aber reizvoll

Der niederländische Arbeitsmarkt ist zwar etwas anders als der deutsche, aber durchaus reizvoll. Flache Unternehmenshierarchien, ein gutes Arbeitsklima und Vorteile wie ein grundsätzliches Urlaubsgeld überzeugen zunehmend die Jobsuchenden aus Deutschland. Was genau macht aber den niederländischen Arbeitsmarkt aus? Was ist zu beachten? Ein Gespräch mit Projektkoordinator Alfred Derks und Beraterin Conny Thijssen vom GrenzInfoPunkt der Euregio Rhein-Waal.

Wie selbstverständlich ist es heute, als Deutscher in den Niederlanden zu arbeiten?
Alfred Derks: Es wurde schon immer grenzüberschreitend gearbeitet – und das auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit. Aber es gibt eine deutliche Tendenz, verstärkt auf dem niederländischen Arbeitsmarkt auf Jobsuche zu gehen. Ein Grund ist zum Beispiel die Globalisierung. Früher erfuhren Deutsche nur per Zufall von Stellenangeboten jenseits der Grenze, sie waren auf die – lückenhafte – Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen. Heute nutzen viele das Internet, wodurch sich ihnen ein interessanter Markt auftut.

Was sind die häufigsten Gründe für eine Bewerbung in den Niederlanden?
Alfred Derks: Ein wichtiges Argument ist, ob ich eher in den Niederlanden als in Deutschland eine passende Stelle finde und ob mir diese vom Zuschnitt her liegt. Darüber hinaus ist Interessenten oftmals auch bekannt, dass sie mit einigen Vorteilen rechnen dürfen. So erhalten Arbeitnehmer in den Niederlanden grundsätzlich Urlaubsgeld. Eine Betriebsrente ist ebenfalls üblich.

Welche Unterschiede – und auch Vorteile – sollten Jobsuchende beachten?
Conny Thijssen: Es gibt natürlich einige Unterschiede – bei Versicherungen und Steuern, um nur zwei wichtige Beispiele zu nennen. Zu erwähnen ist außerdem die längere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die sich in den Niederlanden auf 104 Wochen beläuft, in Deutschland liegt sie bei sechs Wochen. Eine Kirchensteuer und den Soli-Zuschlag gibt es in den Niederlanden nicht. Unter Umständen ist das Kindergeld höher. Außerdem wird ein Fahrgeld für die Strecke zwischen Wohnort und Arbeitsplatz gezahlt. Der Mindestlohn ist etwas höher.
Alfred Derks: Um aber herauszufinden, ob das Arbeiten in den Niederlanden tatsächlich günstiger ist, ist die jeweilige persönliche Situation des Bewerbers zu betrachten. Hierbei helfen wir als GrenzInfoPunkt der Euregio Rhein-Waal natürlich gerne. Grundsätzlich begrüßen wir, dass Menschen den Schritt in die Niederlande wagen, wobei wir sie begleiten.

Auf welche typischen Eigenschaften niederländischer Unternehmen muss sich ein deutscher Arbeitnehmer einstellen?
Conny Thijssen: Die Hierarchien innerhalb niederländischer Unternehmen sind flacher. Was den Vorteil haben kann, dass die Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen können und auch sollen. Kreativität ist sehr erwünscht.
Das Arbeitsklima in niederländischen Firmen wird häufig positiv gesehen. Die Mitarbeiter nehmen sich Zeit füreinander, man schließt die Woche gemeinsam ab und Arbeitgeber machen ihren Beschäftigten Angebote wie beispielsweise Grillpartys – in den Niederlanden eine verbreitete Unternehmenskultur.
Nicht zu vergessen ist, dass die früheren Vorurteile zwischen Niederländern und Deutschen deutlich abgenommen haben. Das Miteinander funktioniert heute problemlos.

Was sollte der Arbeitssuchende für den Schritt in die Niederlande persönlich mitbringen?
Conny Thijssen: Er sollte neugierig sein, sich auf Neues einlassen und Flexibilität mitbringen.

Wie groß ist der Beratungsbedarf für Grenzpendler heute?
Alfred Derks: Der Wunsch nach Beratung ist vorhanden, auch wenn das Arbeiten in den Niederlanden selbstverständlicher geworden ist. Meist sind die Fragen aber nicht von grundsätzlicher Natur, denn vieles wird bereits über das Internet geklärt. Meist sind es eher konkrete Fragen, die zu beantworten sind. Daher ist es uns wichtig, dass die Besucher des GrenzInfoPunktesuns ihre persönliche Lebenssituation schildern – zum Beispiel zur familiären Lage oder zum Thema Ehrenamt. Wir beraten, aber die Betroffenen entscheiden letztlich selbst.

Entscheiden sich schließlich viele Interessenten, in den Niederlanden zu arbeiten?
Alfred Derks: Besucher des GrenzInfoPunktes, die zunächst noch unsicher sind, erlangen durch unsere Beratung Klarheit. Die meisten entscheiden sich anschließend dafür, in den Niederlanden zu arbeiten.

Ein Blick in die Zukunft: Wie selbstverständlich wird es in zehn Jahren sein, als Deutscher einen Arbeitsplatz in den Niederlanden zu haben?
Alfred Derks: Die Zahl der Grenzgänger wird weiter zunehmen. In den Niederlanden beschäftigt zu sein, wird also noch selbstverständlicher. Das hat, wie schon gesagt, mit der Globalisierung zu tun. Ferner spielt die eigene Sprache eine immer geringere Rolle, weil Englisch zunehmend üblicher wird. Aber auch die positiven Erfahrungen der deutschen Arbeitnehmer auf dem niederländischen Markt sprechen sich rum.

Haben Sie noch einen Tipp?
Conny Thijssen: Wer als Deutscher in den Niederlanden neu in einem Unternehmen ist, kann ganz einfach ein positives Zeichen setzen. Und zwar wenn er seine neuen Kollegen fragt, ob sie damit einverstanden sind, dass er Deutsch redet. Eine höfliche Frage, die Niederländer schätzen.

GrenzInfoPunkt für Grenzgänger

Der GrenzInfoPunkt ist die Anlaufstelle für jedermann aus Deutschland und den Niederlanden, der Fragen zu gesetzlichen Regelungen in Bezug auf Arbeit, Einkommen und soziale Sicherheit hat. Die Zielgruppe sind derzeitige, ehemalige und zukünftige Grenzgänger, die im jeweiligen Nachbarland arbeiten möchten. Auch die Beratung von Arbeitgebern gehört zum Dienstleistungsangebot.

Mit einem Berater des GrenzInfoPunktes kann ein persönlicher Gesprächstermin vereinbart werden. Die meisten Fragen werden individuell beantwortet.
Außerdem organisiert der GrenzInfoPunkt regelmäßige (Steuer-)Sprechstunden, an denen sich Vertreter aller Partner aus dem Netzwerk beteiligen – wie zum Beispiel Finanzamt und Sozialversicherungsträger. Auf Wunsch bietet der GrenzInfoPunkt Euregio Rhein-Waal ebenfalls Beratungen vor Ort für spezifische Zielgruppen an.

Der GrenzInfoPunkt wird im Rahmen des INTERREG V A Projektes GrenzInfoPunkt Euregio Rhein-Waal, mit Unterstützung des EU-Programms INTERREG Deutschland-Nederland, des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen und der niederländischen Provinzen Gelderland, Noord-Brabant und Limburg, realisiert.

Weitere Infos beim nächstgelegenen GrenzInfoPunkt in Kleve.
Emmericher Straße 24, D
47533 Kleve
Tel. 0049 2821 79 30 79
info@euregio.org
www.grenzinfopunkt.eu

Projektkoordinator Alfred Derks und Beraterin Conny Thijssen vom
GrenzInfoPunkt der Euregio Rhein-Waal.

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Dick Pelskamp
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